Aber seine Karriere blieb immer irgendwie stecken, den richtigen Platz hat er nie gefunden. Er wird als ein Getriebener beschrieben, der ewige Geheimtipp. Das Debutalbum Ende der 70er wird vom Rolling Stone als Best of the Year gelistet, dann ist er wieder vergessen. Schlechte Berater, unpassende Verträge, Drogen. Letzlich war es vor allem das europäische Publikum, das ihm die Treue hielt. Unvergessen: Das übervolle Herz, Demasiado Corazon.
Willy DeVilles Erscheinung ist sicherlich nicht typisch jungfräulich: Schulterlange Haare, Menjou-Bärtchen, Goldzahn, Hemd offen bis zum Bauchnabel -- Dandy oder eher noch die Variante (Möchtegern)-Zuhälter auf Dauer-Dope, etwas kaputt, Zigarette auf der Bühne. Die Kombi von Pluto-Venus aus dem Löwen sitzt der eher angepaßten Jungfrau-Sonne ständig im Nacken, wird dadurch umso sichtbarer. Alles bekommt eine Prise des Tabuisierten, Verbotenen, Erotisierendem - seine erste Band nannte er "Billy De Sade & The Marquis", auch schön plutonisch. Am Ende nimmt man vor allem dies an ihm wahr. Ein großes Wassertrigon (Uranus-Mars-Jupiter) füttert ihn mit sehr viel Gefühl, Tiefe und Leidenschaften, jemand nannte ihn den Schmerzensmann. Seine Stimme trägt dies Volumen nach außen, nimmt einen mit. Jupiter in den Fischen opponiert zudem die Sonne: Das Sehnen und Suchen bleibt ewiglich. Die Hoffnung auf Erfüllung und Erlösung ist immer an der Stelle, an der man nicht ist. Und dazu ein sich selbst entfremdeter Mond in Wassermann. Keine Mischung für ein zufriedenes Vorstadt-Leben.
Irgendwo scheint er dann aber doch angekommen zu sein, hier moch ein ganz leiser Moment unplugged aus den Berliner Konzerten von 2002. Mir geht das richtig unter die Haut, schade, das live verpasst zu haben. Willy DeVille ist vor einem Jahr am 6.8.2009 an Krebs gestorben.
Nachtrag: Es gab früher noch andere Angaben zum Geburtstermin (z.B. 27.8.1953), aber die hier besprochene Variante scheint gesichert. Und hier noch etwas mehr von seiner Musik.